Diesen Satz hat eine Kundin einmal zu mir gesagt, als wir über ihre Sichtbarkeit gesprochen haben. Sie hatte eigentlich alles, was man sich wünschen würde: ein gutes Angebot, eine klare Zielgruppe und jede Menge Ideen für Inhalte. Nur bei der Frage, wo sie diese Inhalte veröffentlichen sollte, wurde es kompliziert.
Sie war auf Instagram, hatte ein LinkedIn-Profil und zusätzlich noch eine Facebook-Seite. Dann hatte ihr jemand empfohlen, unbedingt TikTok auszuprobieren. Pinterest wäre für ihre Branche ebenfalls interessant, hatte sie gehört. Und YouTube? Eigentlich müsste sie dort auch einmal anfangen.
Das Ergebnis:
Mehrere angelegte Profile, verschiedene Ideenlisten und ständig das Gefühl, auf irgendeinem Kanal wieder nicht genug zu machen.
Dabei wollte sie eigentlich nur eines:
Mit ihrem Business sichtbar werden und Kunden erreichen. Genau an diesem Punkt würde ich gerne einmal einen Schritt zurückgehen.
Denn die Frage ist nicht:
"Auf wie vielen Plattformen muss ich sein?"
Die bessere Frage ist:
"Welche Plattform oder Plattformen passen wirklich zu meinem Business?"
Viele Selbstständige beginnen mit einer Plattform und sind zunächst auch ganz zufrieden damit. Dann kommt irgendwann der nächste Tipp: "Du solltest unbedingt LinkedIn nutzen", oder Instagram, oder TikTok. Also wird ein neues Profil angelegt, vielleicht noch ein zweites oder drittes, und plötzlich besteht die eigene Social-Media-Strategie vor allem daraus, überall gleichzeitig präsent sein zu wollen.
Das Problem dabei ist nicht einmal die Anzahl der Plattformen. Das Problem ist, dass jede Plattform Aufmerksamkeit braucht. Du brauchst Ideen, musst Inhalte erstellen, Kommentare beantworten, Nachrichten lesen, auf Entwicklungen reagieren und irgendwann auch noch schauen, ob das Ganze überhaupt etwas bringt.
Wenn du das für drei, vier oder fünf Plattformen machst, kann Social Media ziemlich schnell zu einem eigenen Teilzeitjob werden. Ich glaube nicht, dass das das Ziel sein sollte. Social Media soll dein Business unterstützen und nicht dein Business ersetzen.
Bei der Frage nach der richtigen Plattform wird häufig über Reichweite gesprochen.
Wie viele Menschen sind dort?
Welche Plattform wächst gerade?
Wo bekommt man die meisten Aufrufe?
Das sind natürlich interessante Fragen. Für mich sind sie aber nicht die wichtigsten. Denn was bringt mir eine enorme Reichweite, wenn die Menschen, die meine Angebote brauchen könnten, dort gar nicht unterwegs sind? Oder wenn ich selbst mit dem Format überhaupt nichts anfangen kann?
Eine Plattform muss deshalb zu mindestens drei Dingen passen: zu deiner Zielgruppe, zu deinem Content und zu dir selbst!
Das klingt zunächst sehr einfach. In der Praxis wird genau dieser dritte Punkt aber gerne vergessen.
Dietrich Bonhoeffer
Das wäre meine erste Frage.
Nicht: Wo sind gerade alle?
Sondern: Wo sind die Menschen, mit denen du arbeiten möchtest?
Wenn du als Coach oder Berater Unternehmen und andere Selbstständige erreichen möchtest, kann LinkedIn sehr interessant sein.
Wenn dein Business stark visuell funktioniert, kann Instagram sinnvoller sein.
Wenn du gerne vor der Kamera stehst und kurze Videos magst, könnte TikTok gut zu dir passen.
Wenn du komplexe Themen gerne ausführlich erklärst, kann YouTube interessant werden.
Wenn deine Zielgruppe sehr stark über Suchmaschinen und visuelle Inspiration nach Lösungen sucht, kann Pinterest eine Überlegung wert sein.
Das sind keine Regeln, sie sind eher eine erste Orientierung. Denn es bringt dir wenig, auf einer Plattform zu sein, nur weil irgendwo steht, dass diese Plattform gerade besonders gut funktioniert.
Passt die Plattform auch zu dir?
Ich finde diesen Punkt bei Social-Media-Empfehlungen oft erstaunlich unterrepräsentiert.
Wenn du Videos liebst, dich gerne vor die Kamera stellst und spontan erzählen kannst, dann kann Video-Content wunderbar funktionieren. Wenn du lieber schreibst und deine Gedanken über Geschichten und Texte vermittelst, ist eine textorientierte Plattform vielleicht viel natürlicher. Wenn du dich jedes Mal überwinden musst, ein Reel aufzunehmen, wirst du wahrscheinlich nicht über Jahre hinweg begeistert Reels produzieren.
Natürlich kann man lernen, Dinge zu tun, die einem nicht sofort liegen. Aber wenn deine gesamte Sichtbarkeit auf etwas basiert, das du eigentlich nicht machen möchtest, wird es schwierig, dauerhaft dranzubleiben.
Eine Social-Media-Strategie muss nicht nur funktionieren, sie muss auch zu deinem Alltag passen.
Ich selbst nutze heute LinkedIn und X – und zwar ganz bewusst.
Bei LinkedIn war ich anfangs ehrlich gesagt etwas skeptisch. Diese sehr typische Business-Sprache war nie ganz meine Welt. Alles klang manchmal ein bisschen zu geschniegelt, zu perfekt und zu professionell. Trotzdem habe ich mich für LinkedIn entschieden. Warum?
Weil meine Kunden dort sind.
Coaches, Berater, Selbstständige und Menschen, die ihr eigenes Business aufbauen, bewegen sich auf LinkedIn. Genau diese Menschen möchte ich mit Alivora erreichen. Also muss ich LinkedIn nicht zu meiner Lieblingsplattform erklären, ich muss dort auch nicht jeden Tag den perfekten Expertenbeitrag veröffentlichen. Ich möchte dort einfach über Themen sprechen, die mich und meine Arbeit beschäftigen: digitale Organisation, Strukturen, Prozesse, Tools, Klarheit und natürlich die Frage, wie wir unser Business einfacher machen können.
Und ich möchte dabei nicht wie eine Marke klingen, ich möchte wie Michaela klingen, denn am Ende folgen Menschen Menschen.
X nutze ich aus einem etwas anderen Grund. Dort kann ich Gedanken schneller auf den Punkt bringen. Eine Beobachtung aus dem Alltag, eine kleine Geschichte, einen Gedanken zu Business oder Gesellschaft oder manchmal einfach einen Satz, der mir gerade durch den Kopf geht. Ich muss dort nicht aus jedem Gedanken einen Fachartikel machen. Und genau das gefällt mir.
Auf LinkedIn darf es etwas ausführlicher und stärker auf mein Business bezogen sein. Auf X kann ich spontaner sein, kürzer schreiben und auch einmal eine andere Seite von mir zeigen. Beide Plattformen erfüllen für mich deshalb unterschiedliche Aufgaben.
Und genau das ist wichtig:
Ich nutze nicht zwei Plattformen, weil ich glaube, dass ich zwei Plattformen nutzen muss. Ich nutze zwei, weil sie für mich unterschiedliche Dinge leisten. Das ist ein großer Unterschied!
Wenn du gerade erst anfängst, sichtbar zu werden, würde ich deshalb nicht mit drei oder vier Plattformen starten. Ich würde eine auswählen. Eine. Und diese eine Plattform erst einmal wirklich kennenlernen.
Was funktioniert für dich?
Welche Themen interessieren deine Zielgruppe?
Welche Formate liegen dir?
Wie viel Zeit brauchst du tatsächlich für einen Beitrag?
Und vor allem: Schaffst du es, über mehrere Monate regelmäßig sichtbar zu sein?
Wenn das funktioniert, kannst du immer noch eine zweite Plattform dazunehmen. Vielleicht stellst du irgendwann fest, dass eine zweite Plattform perfekt zu deinem Content passt. Dann ist das wunderbar. Aber sie kommt dazu, weil dein System es erlaubt – nicht weil du ein schlechtes Gewissen hast.
Gerade als Solo-Selbstständige oder kleines Unternehmen würde ich mich eher auf ein bis zwei Hauptplattformen konzentrieren. Das bedeutet nicht, dass du auf anderen Plattformen nicht existieren darfst. Du kannst dir einen Namen sichern, ein Profil anlegen oder deine Website dort hinterlegen. Aber du musst nicht überall aktiv sein. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Präsenz ist nicht dasselbe wie Aktivität. Du kannst auf einer Plattform ein Profil haben, ohne jede Woche drei Beiträge veröffentlichen zu müssen.
Eine weitere Sache, die Social Media unnötig kompliziert macht: Wir glauben oft, dass jede Plattform komplett neuen Content braucht. Das sehe ich anders.
Wenn du einen guten Gedanken hast, darfst du ihn mehrfach verwenden. Nicht kopieren und überall identisch einfügen, aber weiterdenken. Aus einem Blogartikel kann ein LinkedIn-Beitrag entstehen. Daraus vielleicht ein kurzer Gedanke für X. Aus einem anderen Abschnitt wird ein Newsletter. Eine Geschichte daraus eignet sich vielleicht für einen späteren Beitrag. So entsteht aus einer guten Idee nicht ein Beitrag, sondern ein kleiner Content-Kosmos.
Genau deshalb möchte ich bei Alivora künftig auch meine Blogartikel stärker als Ausgangspunkt für LinkedIn, X und Newsletter nutzen. Nicht, um mehr Content zu produzieren, sondern um gute Gedanken besser zu nutzen.
Ich glaube, wir haben Social Media an vielen Stellen unnötig kompliziert gemacht. Es gibt Content-Pläne, Vorlagen, Hooks, Redaktionskalender, Analytics, Trends, Formate und unzählige Empfehlungen darüber, was man wann und wo veröffentlichen sollte. Natürlich kann das alles hilfreich sein, aber irgendwann muss die Frage erlaubt sein: Hilft mir das gerade wirklich?
Wenn du zwei Stunden damit verbringst, deinen Content für fünf Plattformen zu planen, aber keine Zeit mehr hast, dein Angebot weiterzuentwickeln, läuft etwas schief. Dann ist Social Media nicht mehr dein Werkzeug, dann bist du das Werkzeug für Social Media.
Wenn du gerade vor der Frage stehst, welche Social-Media-Plattform zu deinem Business passt, würde ich nicht mit einer Liste von Plattformen anfangen. Ich würde mit deinem Business anfangen.
Wer sind deine Kunden?
Wo suchen sie nach Informationen?
Welche Themen möchtest du besetzen?
Wie möchtest du kommunizieren?
Und welches Format kannst du langfristig erstellen, ohne dass jeder Beitrag zur Kraftprobe wird?
Wenn du diese Fragen beantwortest, wird die Auswahl meistens schon deutlich kleiner. Und das ist gut. Denn weniger Auswahl bedeutet oft mehr Klarheit.
Einen Punkt finde ich dabei besonders wichtig: Social Media sollte nicht dein einziges Zuhause im Internet sein. Deine Website gehört dir. Dein Blog gehört dir. Deine E-Mail-Liste gehört dir.
Genau deshalb gehört für mich auch die digitale Struktur deines Business dazu. Wenn Dateien, Aufgaben, E-Mails und Tools überall verteilt sind, wird irgendwann auch Content unnötig kompliziert. Wie du dein digitales Business grundsätzlich klarer strukturieren kannst, habe ich hier beschrieben:
→ Digitale Ordnung im Unternehmen: Der ultimative Leitfaden für Selbstständige
Social-Media-Plattformen gehören anderen Unternehmen. Algorithmen können sich verändern, Reichweiten können schwanken und Plattformen können ihre Regeln ändern. Deshalb sehe ich Social Media eher als Ort, an dem Menschen auf dich aufmerksam werden. Deine Website ist der Ort, an dem sie mehr über dich erfahren können. Und dein Newsletter ist der Ort, an dem du den direkten Kontakt aufbaust. Das macht die gesamte Strategie für mich viel entspannter.
Und wenn du Menschen nicht nur über Social Media erreichen, sondern auch unabhängig von Algorithmen mit ihnen in Kontakt bleiben möchtest, wird ein guter Newsletter schnell interessant.
Dann kommt allerdings die nächste Frage:
Wie behältst du eigentlich deine E-Mails im Griff, wenn dein Business wächst?
Dazu habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben:
→ E-Mails organisieren für Selbstständige: Ein einfaches System gegen das Posteingangs-Chaos
Wenn ich aus dem Gespräch mit meiner Kundin am Anfang etwas mitgenommen habe, dann vor allem diese Erkenntnis:
Sie hatte kein Social-Media-Problem.
Sie hatte ein Klarheitsproblem.
Genau das ist ein Thema, das sich durch viele Bereiche eines Business zieht:
Wenn zu viele Dinge gleichzeitig im Kopf laufen, wird irgendwann auch die einfachste Aufgabe unnötig kompliziert.
Ich habe darüber schon einmal ausführlicher geschrieben:
→ Zu viel im Kopf? Warum dein Business nicht noch mehr Organisation braucht
Sie wusste nicht, welche Plattform für ihr Business wirklich wichtig war, und deshalb versuchte sie, auf allen gleichzeitig präsent zu sein. Das hat sie nicht sichtbarer gemacht, es hat sie nur beschäftigt.
Vielleicht ist genau das die Frage, die du dir auch einmal stellen solltest:
Wenn ich nur auf einer Plattform aktiv sein dürfte - welche wäre es?
Nicht für immer, nur für die nächsten sechs Monate.
Welche Plattform würde ich wählen?
Und was könnte passieren, wenn ich meine Energie einmal wirklich dorthin lenke?
Vielleicht ist die Antwort überraschend einfach.
Wenn du gerade an mehreren Stellen in deinem Business das Gefühl hast, dass eigentlich alles funktioniert, aber irgendwie zu viel gleichzeitig läuft, kannst du genau dort anfangen: mit einem Blick auf die Struktur dahinter.
Du brauchst nicht mehr Plattformen. Du brauchst mehr Klarheit!
Social Media kann ein großartiges Werkzeug für dein Business sein, aber nur, wenn es dich unterstützt. Du musst nicht auf Instagram, LinkedIn, Facebook, TikTok, Pinterest und YouTube gleichzeitig aktiv sein, nur weil irgendwo jemand sagt, dass du sonst etwas verpasst.
Vielleicht brauchst du eine Plattform.
Vielleicht zwei.
Vielleicht später eine dritte.
Die richtige Anzahl ist nicht die, mit der du am meisten beschäftigt bist. Es ist die Anzahl, die du gut und dauerhaft bedienen kannst, ohne dass dein eigentliches Business darunter leidet!
Für mich sind das heute LinkedIn und X - aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Inhalten. Und genau deshalb funktioniert es für mich.
Klarheit bedeutet nicht, alles zu machen. Klarheit bedeutet, zu wissen, was du nicht machen musst.
Business. Endlich einfach.
Die beste Plattform ist nicht automatisch die mit der größten Reichweite. Entscheidend ist, wo deine Zielgruppe aktiv ist, welche Inhalte du gut erstellen kannst und auf welcher Plattform du langfristig regelmäßig sichtbar sein kannst. Für viele Coaches und Berater kann LinkedIn interessant sein, für visuelle Businesses beispielsweise Instagram.
Nein. Gerade am Anfang kann eine einzige Plattform völlig ausreichen. Wenn du dort regelmäßig gute Inhalte veröffentlichst und deine Zielgruppe erreichst, ist das häufig sinnvoller, als drei oder vier Profile gleichzeitig halbherzig zu bespielen.
Eine feste Zahl gibt es nicht. Für viele Solo-Selbstständige sind eine oder zwei Hauptplattformen ein guter Ausgangspunkt. Erst wenn dein Content-System funktioniert und du ausreichend Zeit dafür hast, kannst du über eine weitere Plattform nachdenken.
Ja, besonders wenn du andere Unternehmen, Selbstständige oder Fach- und Führungskräfte erreichen möchtest. Fachwissen, persönliche Erfahrungen, Geschichten aus dem Berufsalltag und konkrete Gedanken zu deinem Themengebiet lassen sich auf LinkedIn gut miteinander verbinden.
Professionell bedeutet nicht automatisch steif. Gerade auf LinkedIn können persönliche Erfahrungen, Geschichten und eine eigene Meinung dabei helfen, sichtbar und wiedererkennbar zu werden. Entscheidend ist, dass deine Inhalte zu dir und deiner Zielgruppe passen.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. LinkedIn kann für B2B-Angebote, Coaches und Berater besonders interessant sein. Instagram eignet sich häufig besser für visuelle Inhalte und persönliche Marken. Entscheidend ist, wo deine Wunschkunden unterwegs sind und welches Format du dauerhaft bedienen kannst.
Ja, aber du musst ihn nicht überall identisch veröffentlichen. Ein Blogartikel kann beispielsweise die Grundlage für einen LinkedIn-Beitrag, einen kurzen X-Post oder einen Newsletter bilden. Der Gedanke bleibt derselbe, aber die Form darf zur jeweiligen Plattform passen.
Ja. Social Media kann Menschen auf dein Business aufmerksam machen, während deine Website ein eigener Ort für deine Inhalte, Angebote und Informationen ist. Ein Blog und ein Newsletter können zusätzlich dafür sorgen, dass deine Inhalte nicht ausschließlich von den Algorithmen sozialer Netzwerke abhängig sind.
Wenn deine bestehende Strategie funktioniert, du regelmäßig Inhalte veröffentlichst und noch ausreichend Zeit und Energie für einen weiteren Kanal hast. Eine neue Plattform sollte eine bewusste Entscheidung sein – nicht das Ergebnis des schlechten Gefühls, irgendwo etwas zu verpassen.
Die richtige Zielgruppe. Tausende Follower bringen dir wenig, wenn niemand davon Interesse an deinem Angebot hat. Für ein kleines Business können einige hundert Menschen, die wirklich zu deinem Thema passen und deine Inhalte regelmäßig lesen, wertvoller sein als eine große, aber unpassende Reichweite.

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Michaela
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