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Als ich angefangen habe, hielt ich ein volles Business für ein gutes Business. Viele Angebote waren besser als wenige, viele Möglichkeiten besser als eine klare Entscheidung, und ein gut gefüllter Kalender schien zu zeigen, dass man sein Business im Griff hat.
Ich habe nicht nur so gedacht, sondern auch so gearbeitet. Ich habe Möglichkeiten mitgenommen, Neues ausprobiert und vieles behalten, weil es irgendwann noch nützlich sein könnte.
Nach 30 Jahren Selbstständigkeit sehe ich manches davon anders. Das liegt nicht daran, dass ich weniger arbeiten möchte, sondern daran, dass ich besser unterscheiden kann, was mein Business braucht und was darin nur Platz eingenommen hat.
Das ist eine der unspektakulärsten Seiten von Erfahrung. Man lernt nicht nur, was funktioniert. Man lernt auch, was man getrost lassen kann.
Ich sage nicht mehr zu jeder Anfrage Ja, nur weil daraus etwas entstehen könnte. Ich nehme nicht jedes Angebot mit, das irgendwie passen könnte, und ich muss nicht aus jeder Idee sofort etwas machen. Früher erschien mir vieles wie eine Möglichkeit, die man besser nicht ausschlägt. Heute interessiert mich, ob es zu dem Business passt, das ich führen möchte. Wenn nicht, fällt mir ein Nein leicht.
Ein gutes Beispiel dafür sind meine Erstgespräche. Ich habe sie aus meinem Business komplett gestrichen. Heute stehen alle Informationen auf meiner Webseite, und wer zu mir passt, kann direkt kaufen. Der Prozess ist damit einfacher geworden, für mich und für den Kunden. Natürlich gibt es Bereiche, in denen Erstgespräche sinnvoll oder notwendig sind. Bei mir hat sich aber gezeigt, dass ich dieses Gespräch nicht brauche, wenn die Informationen auf der Webseite klar genug sind. Am Anfang fühlte sich das ungewohnt an, denn ein Erstgespräch gehört zu den Dingen, die man eben macht.
Ähnlich ging es mir mit Tools. Eine Zeit lang klang fast jede neue Software nach einer Verbesserung. Am Ende hatte ich nicht weniger Arbeit, sondern mehr Systeme, mehr Zugänge und mehr Dinge, an die ich denken musste. Heute nutze ich ein einziges Tool für Webseite, Kurse und E-Mail-Marketing statt fünf verschiedene. Ein Werkzeug muss eine gute Begründung haben, bevor es bei mir einzieht. Es soll eine konkrete Aufgabe lösen und mir Arbeit abnehmen. Nur weil etwas möglich ist, brauche ich es noch lange nicht.
Auch die Vorstellung, überall präsent sein zu müssen, ist leiser geworden. Ich habe lange geglaubt, Sichtbarkeit hänge an Präsenz und man müsse regelmäßig auf mehreren Plattformen auftauchen, damit man nicht vergessen wird. Heute habe ich Instagram gestrichen und bin nur noch auf LinkedIn und X. Ich sehe den Unterschied zwischen sichtbar sein und überall auftauchen entspannter. Wenn ich weniger Orte auswähle, kann ich mich dort wirklich mit den Menschen und Themen beschäftigen, die für mein Business wichtig sind.
Mein eigenes Tempo vergleiche ich ebenfalls nicht mehr ständig mit dem anderer. Wer sieht, was andere gerade veröffentlichen, launchen oder aufbauen, bekommt schnell das Gefühl, hinterherzulaufen. Dabei gibt es keinen Grund, warum mein Business genauso aussehen oder sich genauso entwickeln sollte wie das von jemand anderem. Es muss zu meinem Leben passen und zu der Art, wie ich arbeiten möchte.
Mit den Jahren erkenne ich immer deutlicher, dass ein Business nicht nur aus dem besteht, was man tut, sondern auch aus dem, was man sich damit auflädt. Jedes Angebot braucht Aufmerksamkeit, jeder Kanal Pflege und jeder Prozess irgendwann eine Überprüfung. Selbst Dinge, die kaum noch eine Rolle spielen, können weiter einen kleinen Teil der eigenen Aufmerksamkeit beanspruchen.
Deshalb halte ich nicht mehr an Dingen fest, nur weil es sie schon lange gibt. Ein Angebot kann einmal genau richtig gewesen sein und heute nicht mehr passen. Ein Ablauf kann sich bewährt haben und trotzdem unnötig kompliziert geworden sein. Eine Gewohnheit kann so selbstverständlich werden, dass niemand mehr fragt, warum es sie eigentlich noch gibt.
Das Loslassen fällt manchmal schwerer als das Anfangen. Etwas Neues fühlt sich nach Entwicklung an. Etwas wegzulassen sieht zunächst eher nach Rückschritt aus. Dabei kann genau darin Entwicklung liegen.
Je länger ich selbstständig bin, desto weniger beschäftigt mich die Frage, was ich meinem Business noch hinzufügen könnte. Mich interessiert viel mehr, was davon überhaupt noch notwendig ist.
Das hat auch meinen Blick auf Beschäftigung verändert. Ein voller Arbeitstag sagt wenig darüber aus, ob sich im Business etwas bewegt hat. Man kann sehr viel erledigen und trotzdem an den wichtigen Dingen vorbeiarbeiten. Heute schaue ich nicht nur darauf, was ich alles geschafft habe, sondern auch darauf, wie viel davon tatsächlich nötig war.
Vielleicht zeigt sich Erfahrung im Business deshalb irgendwann weniger darin, wie viel man noch alles machen kann, sondern darin, wie gut man erkennt, was man nicht mehr machen muss.
Und vielleicht wird die Liste gerade deshalb mit den Jahren nicht länger, sondern kürzer.
Auf mehr Einfachheit,
Michaela
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